Die Geschichte der Astronomie in Heilbronn

Die Astronomie in Heilbronn blickt auf eine lange Geschichte zurück, deren Anfänge schon lange vor dem Bau der heutigen Sternwarte liegen.
Als die damalige königliche Realanstalt mit der Oberstufe – der Oberrealanstalt – im Jahr 1889 ein eigenes Gebäude erhielt, in dem sich heute das Robert-Mayer-Gymnasium befindet, wurde auf dem Dach des Treppenhauses des Hauptflügels eine Dachplattform speziell für astronomische Beobachtungen errichtet. Dieses "Schulpanorama" konnte auch von anderen Schulen genutzt werden. 1912 spendete Professor Klein den Ertrag mehrerer Vorträge für den Kauf von Teleskopen und Diaserien.
Anlässlich der Erweiterung des Gebäudes wurden 1914 im Heilbronner Gemeinderat, hauptsächlich auf Betreiben eines Lehrers der damaligen Oberrealschule, Prof. Dr. Karl Wildermuth, die baulichen Voraussetzungen geschaffen, um auf dem Dach des gerade im Bau befindlichen Mönchseeflügels eine Sternwarte einzurichten. Schon damals bekam die damit drittälteste Volkssternwarte Deutschlands den Namen des berühmten Heilbronners Robert Mayer und war als kombinierte Volks- und Schulsternwarte geplant. Doch nachdem Wildermuth Robert Bosch zur Stiftung eines physikalischen Musterkabinetts hatte bewegen können und 1920 als einer der Mitbegründer der "Württembergischen Musteranstalt für den Physikunterricht" nach Stuttgart ging, war das Schicksal der als Volks- und Schulsternwarte wohl einzigartigen Kombination für lange Zeit besiegelt. Das hochwertige Instrumentarium, das aus einem 13-Zentimeter-Zeiss-Linsenteleskop, einem Meridiankreis zur Bestimmung von Sternkoordinaten, einigen kleineren Instrumenten und einem schon damals sehr seltenen Sternhohlglobus bestand, wurde in den darauf folgenden Jahren nur noch durch die Schule genutzt. Lediglich Studienrat Hans Seitz bot zwischen 1929 und 1933 in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Kurse, Vorträge und Führungen an.

Zerstörung im Krieg

Zu Beginn der Bombardierung deutscher Städte im Zweiten Weltkrieg wurden die Geräte in den Keller des Hauptflügels ausgelagert, wo sie nach dem Krieg zerschlagen und geplündert wurden. Die Sternwarte selbst blieb wie durch ein Wunder inmitten des Heilbronner Trümmermeeres unzerstört.
Ein 1952 von Dr. phil Ing. (VdI) Ernst Wecker gespendeter Refraktor ersetzte die zerstörten Geräte. Da er ihn zur Aufstellung in der Kuppel und "für alle Heilbronner Schüler" rechtlich dem Theodor-Heuss-Gymnasium spendete, das damals in dem Gebäudeflügel mit der Sternwarte untergebracht war, verließ dieses Gerät das Gebäude zusammen mit dem Gymnasium.
Auf Betreiben Weckers wurde gegen Ende der fünfziger Jahre von der Stadt ein neues Fernrohr für die leer stehende Kuppel angeschafft. Zu diesem "Hauptgerät", einem kleinen Kosmos-Refraktor mit 68 Millimeter Objektivdurchmesser, kamen bis 1960 noch zwei alte Refraktoren, von denen einer zwischen 1830 und 1900 hergestellt wurde. Der andere, ein Zweizöller der Firma Merz, ist ungefähr so alt wie die Sternwarte. Alle drei Geräte befinden sich noch heute in gebrauchsfähigem Zustand auf der Sternwarte.
Doch zu diesem Zeitpunkt lag die Sternwarte schon weitgehend brach. Bis 1979 wurde sie nur noch sporadisch von einzelnen Schülern zu Beobachtungen genutzt. Der damals 16-jährige Holger Sturm vom Justinus- Kerner-Gymnasium, bemühte sich in der Folgezeit mit Eifer um die Wiederbelebung der Sternwarte. Gemeinsam mit dem Fachbereichsleiter für Astronomie, Karlheinz Klein, trieb er die Renovierung der Sternwarte, die mit Hilfe der Stadt 1983 einen vorläufigen Abschluss erreichte, voran. In diesem Zeitraum wurde die instrumentelle Ausstattung der Sternwarte stark erweitert, für die Kuppel jedoch fehlte noch ein größeres stationäres Gerät.
Deshalb wurde 1981 zu Spenden aufgerufen, wobei etwa 20 000 DM zusammenkamen. Die restlichen 55 000 DM wurden durch eine großzügige Spende der Südwestdeutschen Salzwerke AG abgedeckt. So konnte das neue Gerät, ein 15-Zentimeter-Coudé-Refraktor mit einer Brennweite von 2,25 Meter, am 6. September 1983 feierlich übergeben werden. Ab Frühjahr 1984 wurden regelmäßige Sternführungen sowie einige Volkshochschulkurse durchgeführt. Mit der Zeit kamen weitere Amateurastronomen hinzu, um die Geräte und die Bücherei der Sternwarte zu nutzen und bei den Führungen mitzuarbeiten. Dies benötigte eine Änderung der Organisationsform: Am 28. Februar 1987 wurde die "Robert-Mayer-Volks- und Schulsternwarte Heilbronn e. V." gegründet. Dieser Verein betreut seitdem die Sternwarte.
Damit war die Idee Prof. Dr. Wildermuths Wirklichkeit geworden und in Heilbronn eine kombinierte Volks- und Schulsternwarte entstanden. Der Verein ist mittlerweile auf über zweihundert Mitglieder angewachsen und führt auf der Sternwarte pro Jahr mehr als dreihundert Veranstaltungen durch. Zu den Sternwartenbesuchern zählen neben Heilbronner Bürgern aller Alterstufen auch Jugendgruppen und viele Schulklassen.
Im Jahr 1995 wurde mit der Anschaffung eines großen Spiegelteleskops ein weiterer Schritt zur Erweiterung der Sternwarte unternommen. Die Verbesserung des öffentlichen Angebotes und der Ausbau der Sternwarte zu einer überregionalen Bildungseinrichtung sind seitdem ein stetiger Prozess.
2004 konnte der Hohlgobus saniert werden und ist jetzt wieder regelmäßig im Einsatz, um die Drehung des Sternenhimmels zu visualisieren.
Durch die gute Zusammenarbeit zwischen Sternwarte und Schule wurde eine solide Basis für ein zukunftsweisendes Projekt geschaffen: Die Erweiterung der Robert-Mayer-Sternwarte um ein Planetarium.