Was ist ein Planetarium?
Die ersten Planetarien waren mechanische Miniaturmodelle unseres
Sonnensystems und echte Meisterwerke der Präzisionsmechanik. Mit
diesen Modellen konnten zunächst jedoch nur die Bewegungen der Planeten
simuliert werden. Daher auch der Name Planetarium in Anlehnung
an die ersten Vorläufer der heutigen Projektionsplanetarien. Der in den
1930er Jahren auf der Robert-Mayer-Sternwarte tätige Lehrer Hans Seitz
entwickelte ein Planetenschleifenmodell, welches die Entstehung der Oppositionsschleifen
der außerhalb der Erdbahn gelegenen Planeten erklärt.
Dieses mechanische Miniplanetarium steht heute im Deutschen Museum in München.
Weitere Vorläufer der heutigen Planetarien sind die so genannten Hohlgloben.
Hierbei handelt es sich um begehbare Globen, bei denen die
Form der Sternbilder durch Löcher nachgebildet wird. Durch die drehbare
Lagerung ist es so möglich, den Lauf der Sterne am nächtlichen
Firmament und im jahreszeitlichen Wechsel nachzuempfinden. Im Gegensatz
zu den Projektionsplanetarien kommt hier das Licht von außen durch
die Löcher. Bei modernen Planetarien werden die Sternbilder durch den
Planetariumsprojektor erzeugt. Diese drehbaren Hohl- oder Himmelsgloben
waren schon immer selten – sehr selten. Weltweit sind nur noch drei Exemplare
bekannt, und eines dieser historisch wertvollen Geräte zählt zum
Instrumentarium der Sternwarte. Der Heilbronner Himmelsglobus stammt
vermutlich aus dem Jahr 1914 und wurde im Jahr 2004 unter Mitarbeit
des Landesdenkmalamtes mit Mitteln aus der Paul- und Anna-Göbel-Stiftung
restauriert, um ihn auch für die Zukunft zu erhalten. Er hat einen Durchmesser
von zwei Metern und zeigt rund 170 Sternbohrungen, wobei der hellste
Stern Sirius einem Loch von rund 1,5 Zentimeter Durchmesser entspricht.
Auch heute noch wird dieses Gerät bei Sternführungen eingesetzt
und veranschaulicht die praktische Orientierung am Himmel.
Der geistige Vater der heutigen Projektionsplanetarien ist Walther Bauersfeld,
ein Ingenieur bei Zeiss Jena, der als "Erfinder" des Projektionsplanetariums gilt.
Im August 1923 wurde nach mehr als fünfjähriger Entwicklungsarbeit in
Jena der erste Planetariumsprojektor auf dem Dach der Zeiss-Werke vorgeführt
und ging anschließend an das Deutsche Museum, wo er im ersten
Projektionsplanetarium der Welt seinen Betrieb aufnahm.
Auch heute noch werden in Jena Planetariumsprojektoren gebaut: Von
Kleinplanetarien mit Kuppeldurchmessern von rund sechs Meter bis hin
zu hochmodernen Großplanetarien, die unter einer Zwanzig-Meter-Kuppel
rund 250 Besucher beherbergen können. Heute werden Planetariumsprojektoren
in Kleinserien produziert, doch wegen der standortspezifischen
Abstimmung der Projektoren bleibt jedes Gerät ein Unikat, welches auf
Kuppelgröße und besondere Anforderungen des Standorts und Wünsche
des Betreibers abgestimmt wird.