Die Geschichte der Sternwarte
Im Heilbronner Gemeinderat wurden 1914, hauptsächlich
auf Betreiben eines Lehrers der damaligen Oberrealschule, Prof. Dr. Karl
Wildermuth (Foto), die baulichen Voraussetzungen geschaffen, um auf dem Dach des
gerade im Bau befindlichen Mönchseeflügels eine Sternwarte einzurichten.
Schon damals bekam die damit drittälteste Volkssternwarte Deutschlands
den Namen des berühmten Heilbronners und war von Wildermuth als kombinierte
Volks- und Schulsternwarte geplant. Doch nachdem Wildermuth Robert Bosch
zur Stiftung eines physikalischen Musterkabinetts hatte bewegen können
und 1920 als einer der Mitbegründer der "Württembergischen
Musteranstalt für den Physikunterricht" nach Stuttgart ging,
war das Schicksal der als Volks- und Schulsternwarte wohl einzigartigen
Kombination für lange Zeit besiegelt. Das hochwertige Instrumentarium,
das aus einem 13-cm-Zeiss-Linsenteleskop, einem Meridiankreis zur Bestimmung
von Sternkoordinaten, einigen kleineren Instrumenten und einem heute sehr
seltenen
Sternhohlglobus bestand, wurde in den darauffolgenden Jahren nur
noch durch die Schule genutzt. Lediglich Studienrat Hans Seitz bot zwischen
1929 und 1933 in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Kurse, Vorträge
und Führungen an.
Zu Beginn der Bombardierung deutscher Städte wurden die Geräte
höchstwahrscheinlich in den Keller des Hauptflügels ausgelagert,
wo sie in den letzten Kriegstagen zerstört und geplündert wurden.
Die Sternwarte selbst blieb wie durch ein Wunder inmitten des Heilbronner
Trümmermeeres unzerstört.
Gegen Ende der fünfziger Jahre wurde von der Stadt ein Fernrohr für
die leerstehende Kuppel angeschafft. Zu diesem "Hauptgerät",
einem kleinen Kosmos-Refraktor mit 68 mm Objektivdurchmesser, kamen bis
1960 noch zwei alte Refraktoren, von denen einer zwischen 1830 und 1900
hergestellt wurde. Der andere, ein Zweizöller der Firma Merz, ist
ungefähr so alt wie die Sternwarte.
Doch zu diesem Zeitpunkt lag die Sternwarte schon weitgehend brach. Bis
1979 wurde sie nur noch sporadisch von einzelnen Schülern zu Beobachtungen
genutzt. Einer dieser Schüler, der damals 16-jährige Holger Sturm,
bemühte sich in der Folgezeit mit Eifer um die Wiederbelebung der
Sternwarte. Gemeinsam mit dem Fachbereichsleiter für Astronomie, Karlheinz
Klein, trieb er die Renovierung der Sternwarte voran, die mit Hilfe der
Stadt 1989 einen vorläufigen Abschluss erreichte. Die instrumentelle
Ausstattung der Sternwarte wurde stark erweitert, für die Kuppel jedoch
fehlte noch ein größeres stationäres Gerät. Deshalb
wurde 1981 zu Spenden aufgerufen, wobei etwa 20 000 DM zusammenkamen. Die
restlichen 55 000 DM wurden durch eine großzügige Spende der
Südwestdeutschen Salzwerke AG abgedeckt. So konnte das neue Gerät,
ein 15-cm-Coudé-Refraktor mit einer Brennweite von 2,25 m, am 6.
September 1983 feierlich übergeben werden. Ab Frühjahr 1984 wurden
regelmäßige Sternführungen, zunächst nur mittwochs,
später auch freitags, und einige Volkshochschulkurse durchgeführt.
Mit der Zeit kamen weitere Amateurastronomen hinzu, um die Geräte
und die Bücherei der Sternwarte zu nutzen und bei den Führungen
mitzuarbeiten. Dies benötigte eine Änderung der Organisationsform:
Am 28. Februar 1987 wurde der "Robert-Mayer-Volks- und Schulsternwarte
Heilbronn e.V." gegründet, der seitdem die Sternwarte leitet.
Damit ist die Idee Prof. Dr. Wildermuths Wirklichkeit geworden und in Heilbronn
eine kombinierte Volks- und Schulsternwarte entstanden.