Der drehbare Hohlglobus

Schon seit den Gründungsjahren befindet sich auf der Dachplattform der Sternwarte ein Hohlglobus Vorläufer der modernen Projektionsplanetarien. Der Hohlglobus besteht aus einer Metallkugel mit zwei Metern Durchmesser, die drehbar auf Rollen gelagert ist und zusätzlich auf einem Standfuß aufgehängt ist. Dadurch kann man problemlos den aktuellen Himmel einstellen. Rund 170 Sterne sind durch Bohrungen in der Kugel markiert, wobei der Durchmesser der Bohrung der scheinbaren Helligkeit des Sternes entspricht. Sirius als hellster Stern wird dabei durch ein 1,5 Zentimeter großes Loch symbolisiert. Verzeichnet sind alle Sterne bis etwa 3.5 mag -20° Deklination. Das Innere des Hohlglobus ist mattschwarz gestrichen, so dass man mit Kreide Sternbilder, Koordinatenlinien oder die Positionen von Planeten einzeichnen kann. Der Hohlglobus gehört zu den wenigen Geräten, die von der Lage der RMS im Stadtzentrum profitieren: Vor allem bei bewölktem Himmel oder wasserdampfhaltiger Luft hat man in ihm ein sehr realistisches Bild vom Himmel. Etwa acht Personen können sich bequem gleichzeitig in ihm aufhalten, es waren aber auch schon doppelt so viele.

Niemand weiß genau, wie der Hohlglobus auf die Sternwarte gekommen ist. Man weiß lediglich, dass er schon zur Gründung der Sternwarte existiert hat: Erstmals wurde er im Gemeinderatsprotokoll vom 11. Juni 1917 erwähnt. Als Vorbild für ihn wird heute die Atwoodsche Himmelskugel Hohlglobus im Chicagoer Naturkundemuseum angesehen, jedoch ist nichts genaueres bekannt. In Deutschland ist das Gerät wahrscheinlich einzigartig. Falls Sie nähere Informationen über ihn oder ähnliche Geräte haben, teilen Sie es uns bitte mit. Der Hohlglobus war stets wesentlicher Bestandteil unserer Sternführungen.

Um ihn auch in Zukunft weiterbenutzen zu können, wurde er 1992 von einer Heilbronner Schlosserei renoviert.
Aufgrund starker Witterungseinflüsse wurden im Jahr 2004 erneut dringend Maßnamen zum Erhalt unseres Hohlglobus erforderlich. Ab September 2003 war der Hohlglobus aufgrund der Baumaßnahmen für die Öffentlichkeit gesperrt. Schließlich konnten rechtzeitig zum 90. jährigen Bestehen der Sternwarte die knapp ein Jahr andauernden Sanierungsarbeiten durch Mitarbeiter des Landesdenkmalamts abgeschlossen werden. Damit ist der Fortbestand unseres Hohlglobus für viele weitere Jahre gesichert, so dass er jetzt wieder im Führungsbetrieb eingesetzt werden kann.